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08.04.16

Aus den Revieren (April/Mai)

Die ersten Jungen unserer vielfältigen Tierwelt sind schon im Januar/Februar geboren, denn Schwarzwild, Wildkaninchen und Feldhasen verzeichnen den ersten Nachwuchs schon zu diesen klimatischen Unzeiten. Den meisten Nachwuchs in Mutter Natur gibt es aber ab April bis in den August hinein. Feldhasen, Kaninchen, Rehe, Wildschweine, Rebhühner, Fasanen, Kiebitze und alle anderen Bewohner unserer Natur haben jetzt Nachwuchs und verdienen unsere besondere Rücksichtnahme.

Vor allem hochträchtige(schwangere) Rehe, die in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit stark eingeschränkt sind, stellen im Frühjahr mitsamt ihren ungeborenen Kitzen ein relativ leichtes Opfer für Hunde dar. So mancher Hund, der ansonsten aufs Wort gehorcht, wird überraschend unberechenbar, wenn er eine frische Fährte aufgenommen hat.

Auch friedliche Hunde können ein großes Problem für das Jungwild darstellen. Für aufgestöberte Jungtiere wie z. B. Rehkitze ist es oft schon tödlich, wenn sie vom Hund aufgescheucht werden und dabei wegen einer kleinen Berührung auch nur teilweise dessen Geruch annehmen. Das Elterntier nimmt bereits die kleinste Veränderung der Witterung wahr und lässt dann seinen Nachwuchs unversorgt – dessen qualvolles Zugrundegehen ist die grausame Folge.

Streunende Hunde vertreiben auch Bodenbrüter wie Rebhuhn, Lerche, Wildente und Wachtel von ihren Nestern. Deren Eier und Junge werden dann ein leichtes Opfer von Krähen und Elstern oder kühlen dann einfach aus. Die Hundehalter selbst können diesen Vorgang meistens überhaupt nicht wahrnehmen, weil sich das Geschehen oft im dichten Gras, Getreide oder Unterholz abspielt.

Es hilft unseren Wildtieren am meisten, wenn die Menschen mehr Rücksicht nehmen, auf den Hauptwegen bleiben und ihre Hunde angeleint lassen, obwohl in Hessen keine generelle Leinenpflicht besteht. Die Wildtiere in unserer mitunter recht ausgeräumten Landschaft nutzen jedes mögliche Refugium als Kinderstube dass ihnen verbleibt, so auch in unmittelbarer Nähe von Wegen oder Siedlungen.

Zufällig gefundene Wildtiere sollten unberührt an Ort und Stelle belassen werden, die Elterntiere kümmern sich um ihren Nachwuchs. Das Mitnehmen und Verbringen zu Tierarzt oder Aufzuchtstation stellt in vielen Fällen das sichere Todesurteil für das Jungwild dar, da eine Handaufzucht nicht unproblematisch und sehr zeitintensiv ist und im Regelfall vom „Verursacher“ nicht übernommen wird.

Rücksichtnahme auf Wildtiere ist ein großer Aspekt des Tierschutzes, der nicht nur für das eigene Tier gelten sollte.